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VON UNSERER REDAK- TEURIN MARION KOLLER
KALLMÜNZ. Schreckliches Heimweh plagt
James Maina: Doch der kleine Kenianer wird noch ein paar Wochen
bei seiner Kallmünzer Gastfamilie bleiben müssen. James
leidet an einem Herzfehler, der in seiner Heimat nicht operiert
werden kann. Mit Gleichaltrigen kann er nicht mithalten: Nach
wenigen Schritten fängt er an, schwer zu atmen und muss
sich ausruhen. Seit Ende März wartet der Elfjährige
auf einen Operationstermin an der Uniklinik Regensburg.
Diplomsupervisorin Gisela Demler und ihr Mann Martin Mayer haben
durch eine kleine Notiz in der MZ von James erfahren. Der Regensburger
Verein Königskinder e.V., der in zwei kenianischen Dörfern
Kinder-Patenschaften organisiert, hatte eine Gastfamilie für
den Kleinen gesucht. Gisela Demler kennt Kenia, weil sie dort
mehrere Jahre arbeitete, und sagte spontan zu. |

Zuhause auf Zeit: Gisela Demler kümmert
sich um James
Steinwürfe auf die Schweine
Der hübsche, schmale James ist . scheu
und weigert sich zunächst beharrlich, von Zuhause zu erzählen.
Doch allmählich taut er auf. In holprigem Englisch und mit
lebhaften Gesten berichtet er von der 61-jährigen Großmutter
und dem Onkel, die im Regierungsbezirk Lamu eine Farm mit Mais,
Mangos, Cashewnüssen, Baumwolle und Schweinen betreiben.
James ist Vollwaise und lebt bei seiner Oma. Er besucht die Schule,
hilft auf der Farm. Mit Steinwürfen vertreiben er und seine
drei Schwestern Schweine und Affen aus den Pflanzungen. |
Der Elfjährige hatte schon einen Operationstermin
in Nairobi, doch die Chirurgen dort trauten sich den komplizierten
Eingriff nicht zu. Schwestern einer Missionsstation machten den
Verein Königskinder auf den Jungen aufmerksam, der ohne
die Operation keine Chance hätte, einen Beruf zu lernen.
Die Reisekosten übernahm der Verein, die Ärzte verzichten
auf das Honorar.
Pause nach Treppensteigen
"Er steigt die Treppe hoch und kriegt keine Luft mehr",
beschreibt Gisela Demler James' Leiden. Beim Spiel mit Demlers
Kindern Jakob (8) und Teresa (S) muss der kleine Afrikaner immer
wieder pausieren. Wenn ihn Nachbarjungen abholen, kann er den
Weg zum Fußballplatz nur mit dem Roller bewältigen.
Auf lange Sicht würde sein Herzfehler lebensgefährlich
werden.
Doch James hat nicht nur Probleme, sondern ist auch ein ganz
normaler kleiner Junge mit den Vorlieben seines Alters: Bei seiner
Gastfamilie hat er das Fahrradfahren gelernt. Auch Lego kannte
er zuhause nicht. Am sprudelnden Brunnen im Inneren Markt spielt
er begeistert und stundenlang.
Mittelbayerische Zeitung 20./21.5.00 |